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![]() Die Arches am Eingang |
![]() Canyon Glow |
Allgemeines
Die beiden Slot Canyons Peek-a-boo (Peekaboo) und Spooky gehören neben dem Devils Garden und den Lower Calf Creek Falls zweifellos zum Standardprogramm eines jeden GSENM Besuchers. Das heißt aber noch lange nicht, dass diese Orte überlaufen sind und sich ganze Völkerstämme durch die engen Canyons schieben, ganz im Gegenteil! Auch wenn das Interesse am Grand Staircase in den letzten Jahren deutlich zugenommen hat, so findet man hier immer noch genügend Freiräume. Speziell im Herbst und Winter hat man diese Canyons meist für sich allein. Allerdings sollte man die beiden verlängerten Wochenenden Memorial Day und Labor Day möglichst meiden. Denn dann fallen ganze Scharen amerikanischer Kurzurlauber in den kleinen Ort Escalante ein, der aufgrund seiner Nähe zum gleichnamigen Park einen idealen Ausgangspunkt bildet. Die schwärmen am Tage in alle Richtungen aus und verteilen sich recht gut auf das riesige Gebiet. Mit Einbruch der Dunkelheit kommen die meisten dann wieder zurück, weil sie ihren gewohnten Komfort nicht mit Zelt und Schlafsack tauschen möchten. Wer dann keine Reservierung hat, hat definitiv verloren! Escalante hatte bei der Erstfassung des Berichts (2004) gerade mal eine Handvoll einfacher Motels oder B&Bs. Heute (2020) sind es zwar deutlich mehr, aber auch die Anzahl der Touristen ist überproportional gestiegen.
Peek-a-boo Slot (Peekaboo)
Beide Canyons sind reine Fun-Canyons. Sie richten sich hauptsächlich an alle "jungen und jung gebliebenen". Hier heißt es klettern, kriechen, springen und das alles in traumhafter Umgebung. Das Abenteuer beginnt bereits am Eingang des Peek-a-boo. Man geht hier nicht einfach hinein, sondern klettert eine etwa 4 Meter hohe senkrechte Wand hinauf. Damit dies für jeden möglich ist, wurden einige kleine Tritte in den Fels geschlagen. Diese Klettereinlage ist eigentlich harmlos und sollte für die allermeisten zu bewältigen sein. Es gibt aber noch andere Alternativen, um in den Canyon zu gelangen. Eine davon beginnt fast unmittelbar am Einstieg. Dazu geht man links eine Sanddüne nach oben. Meist existiert dort schon ein gut sichtbarer Pfad, den man einfach nur folgen muss. Er endet direkt am Felsplateau oberhalb des Canyons. Von hier geht es über den Slickrock immer den Steinpyramiden folgend, bis zum hinteren Bereich des Peek-a-boo Canyon. Wir mussten im November 2003 auch diese Route nehmen, da sich unmittelbar vor dem regulären Einstieg ein morastiger Tümpel gebildet hatte. Matthias, der unbedingt über diesen Eingang in den Canyon wollte, blieb kurz davor im knöcheltiefen Schlamm stecken. Ein Foto seiner "versiften" Schuhe findet Ihr etwas weiter unten.
Der untere Bereich, unmittelbar hinter dem offiziellen Einstieg, ist noch relativ breit. Hier bildet der Canyon einige recht fotogene Felsbrücken. Dazwischen aber immer wieder Potholes (Felslöcher), die das Vorankommen etwas erschweren. Kleinere Leute sind hier möglicherweise auf die Hilfe anderer angewiesen, um die bis zu 1 Meter tiefen Hindernisse zu überwinden. Danach aber wird der Canyon immer schmaler. Durch einige Passagen muss man sich regelrecht hindurch zwängen. Manchmal geht es dabei nur seitwärts und mit eingezogenem Bauch voran. An vielen Stellen tastet man sich mehr vorwärts als das man geht. Doch gerade deshalb macht es eine Menge Spaß! Hier befindet sich auch meine Lieblingstelle, zwei kleine Felslöcher, durch die man problemlos hindurch kriechen kann. Es gäbe zwar auch eine seitliche Umgehung, aber die ist nicht halb so interessant. Nur wenig später wird der Peek-a-boo Canyon dann breiter und flacher, der spektakulärste Bereich liegt nun schon hinter uns. Wer jetzt umkehrt oder den Slot über seinen alternativen hinteren Zugang verlässt, verpasst nicht wirklich etwas. Der Peek-a-boo lässt sich am besten um die Mittagszeit ablichten, wenn die Felswände durch den hohen Sonnenstand und das indirekte Licht zu "glühen" beginnen.
Spooky Canyon
Der Spooky Gulch befindet sich etwa 800 Meter östlich vom Peek-a-boo. Da sich die Zugänge beider Canyons an der Nordseite des Coyote Gulch befinden, muss man nur diesem Wash hinab folgen. Bereits nach kurzer Zeit tritt die nördliche Felswand etwas zurück und beschreibt dabei eine Art Halbkreis. Der Zugang zum Spooky befindet sich im letzten Drittel dieses Halbkreises, ist aber von der Mitte des eigentlichen Trails bzw. Washes nicht sichtbar! Haltet Euch deshalb immer in der Nähe der nördlichen (linken) Felswand, so kommt Ihr (fast) automatisch ans Ziel. Zur Sicherheit hier noch die GPS Koordinaten des Eingangs: 37°28'53''N, 111°12'33''W (WGS84/NAD83).
![]() Zeigt her Eure Schuhe |
![]() Moi... |
2020 wurde die Route durch beide Canyons offiziell in einen 1,7 mi langen Loop Trail verwandelt. So kommt man nun zuerst durch den Peek-a-boo Canyon, klettert dann hinten auf der rechten Seite aus der Schlucht und geht anschließend cross country ostwärts (den Steinmännchen folgend) bis zum hinteren Bereich des Spooky. Dort steigt man dann in den Canyon ein und läuft bis zu dessem unteren Eingang am Coyote Gulch.
![]() Wunderschöne Pastelltöne |
![]() Isa im "Geister Canyon" |
Der Name Spooky bedeutet übrigens so viel wie "spukend, von Geistern besessen". Wer den Canyon besucht hat, wird die Namensgebung für diesen dunklen und mystischen Ort durchaus nachvollziehen können. Er ist noch um einiges schmäler als der Peek-a-boo. Diese Enge, verbunden mit bis zu 40 Meter hohen Canyonwänden, sind der Grund warum die Strahlen der Sonne hier praktisch nie den Boden erreichen. Einen Großteil der Strecke kommt man nur mühsam voran, meist auch nur seitwärts. Rucksäcke o.ä. Gepäck sind hier eher störend und können häufig nur über dem Kopf transportiert werden. Ein erhebliches Risiko im Canyon stecken zu bleiben haben nicht nur die Übergewichtigen, sondern auch Frauen mit großer Oberweite (ob nun echt oder unecht...). Aber auch die Schlanksten werden irgendwann ihre Probleme bekommen, garantiert! Desöfteren beschleicht einem hier ein mulmiges Gefühl, wenn man seitlich an den Fels gepresst sich langsam vorwärts schiebt und die Nase fast die gegenüberliegende Wand berührt. Leute die unter Klaustrophobie leiden, sollten diesen Canyon möglichst meiden!
Noch ein Stück weiter den Dry Fork of Coyote Gulch hinab, befindet sich der dritte Slot Canyon, der Brimstone Gulch. Was seine Enge und Tiefe betrifft, so stellt er die beiden oberen Canyons noch einmal locker in den Schatten! Die Begehung ist nicht ganz einfach. Einige ernste Anmerkungen zum Brimstone findet Ihr im Bericht von Peter F. Schäfer Don't die out there!. Das fotografische Potential dieses Slots ist aufgrund der extremen Dunkelheit eher gering. Außerdem muss praktisch das ganze Jahr über mit Wasser bzw. Morast gerechnet werden. Auf eine weitere Beschreibung verzichte ich daher.
Anfahrt & Trailhead
Von Escalante (Utah) kommend, zweigt vom Highway 12 auf der Höhe der Meile 65 die Hole-in-the-Rock Road ab, der man für knapp 25 holprigen Meilen in südlicher Richtung folgt. Bei vorsichtiger Fahrweise und trockenen Bedingungen ist diese Waschbrettpiste auch mit einem normalen PKW befahrbar, die bessere Wahl ist aber immer ein SUV. Früher gab es nur einen Parkplatz, der sich unweit des Peek-a-boo Canyons direkt am Rim oberhalb der Coyote Gulch befand. Das BLM hat diesen aber im Sommer 2020 geschlossen und den Zugang komplett umgestaltet. Die Wanderung ist dadurch gleich um gut 4 km länger geworden. Nun hat man die Wahl zwischen zwei neu angelegten Parkplätzen. Diese wurden ausgestattet mit Infotafeln, Toiletten und sogar ein "Testdurchschlupf" für den Spooky ist vorhanden (es sind in dieser Schlucht leider immer wieder Leute stecken geblieben...).
UPPER DRY FORK
Den Upper Dry Fork Trailhead befindet sich direkt an Hole-in-the-Rock Road, etwa 24,7 Meilen vom Highway 12 entfernt. Von diesem Parkplatz geht es nach dem Überqueren der Straße zu Fuß weiter in Richtung Osten - zunächst über offenes, flaches Wüstenplateau, dann hinunter in den Dry Creek Canyon und dort nach rechts. Bevor man nach insgesamt 1,5 mi (2,4 km) zum Aufstieg in den Peek-a-boo gelangt, geht es noch durch die etwa 800 m langen Dry Creek Narrows, dessen Sandsteinwände je nach Lichteinfall schon wunderschön leuchten können. Eine tolle Einstimmung auf das was noch folgt. Der neue Weg ab dem Upper Dry Fork Parkplatz ist daher der abwechslungsreichste Zugang.
LOWER DRY FORK
Die Zufahrt zum Lower Dry Fork Trailhead liegt noch 1,3 mi weiter südlich an der Hole-in-the-Rock Road, in etwa 26 mi ab dem Highway 12. Dort biegt man (wie früher vor 2020) nach links auf die Dry Fork Road #252 ab, nur dass jetzt schon nach ungefähr einer Meile Schluss ist. Ab da geht es nur noch zu Fuß weiter. Und sollte dieser Parkplatz voll belegt sein, gibt es an der #252 sogar noch eine Overflow Parking Area auf halber Strecke.Ab dem Lower Dry Fork TH folgt man den Markierungen bzw. dem ausgetretenen Pfad in Richtung Norden. Er verläuft entlang der Abbruchkante bis zum ehemaligen Parkplatz. Von dort windet sich der Weg meanderförmig
hinab ins Tal. Zuerst über Fels, später durch tiefen Sand. Dabei wird die Orientierung
im oberen Abschnitt durch eine Menge Steinmännchen erleichtert. Die letzten Meter hinab ins
Tal führen dann über einen gut sichtbaren, wenn auch steilen, Pfad. Ein Verlaufen ist
so praktisch ausgeschlossen. Auf dieser Tour müssen eine Menge Höhenmeter überwunden
werden, so kommt man speziell auf dem Rückweg gehörig ins Schwitzen.
Unten ankommen, läuft man nur wenige Minuten in einem kleinen Seitencanyon, bevor man
das sandige Bett des Coyote Gulch erreicht. Links befindet sich der Eingang
zum Dry Fork Canyon, der auch einige recht passable Narrows zu
bieten hat. Unser Ziel, der Peek-a-boo befindet sich aber weiter rechts,
ca. 100 Meter entfernt. Den Einstieg zum Canyon findet man auf der linken (der Nord-) Seite
des Coyote Gulch.
Zeitbedarf
Für den Weg bis zum Peek-a-boo, den Rundparcours durch die zwei Schluchten und den Rückweg vom Spooky Ausgang zurück zum Parkplatz sollte man mindestens 2-3 Stunden einplanen. Wer gerne und viel fotografiert, kann auch locker einen halben Tag dort verbringen. Es sind insgesamt knapp 5 Meilen bzw. 8 km - mit 100 Höhenmetern ab den Upper und 150 HM ab dem Lower TH. Bei der Tour unbedingt ausreichend zu trinken mitnehmen! Ein GPX-Trail wird heutzutage nicht mehr benötigt, mittlerweile ist alles recht gut ausgeschildert.
Ich kann jedem nur empfehlen auf dieser Wanderung nicht die besten Klamotten zu tragen. Denn aufgrund der Enge dieser Canyons werden Kleidung und Ausrüstung extrem strapaziert. Wer dagegen nur mit T-Shirt und kurzer Hose unterwegs ist, wird hier mit Sicherheit die ein oder andere Schramme davontragen.
Hinweis
Abschließend noch ein genereller Hinweis, der hoffentlich niemanden abschreckt. Schlangen und Skorpione lieben die dunklen Slot Canyons. Passt hier bitte besonders auf wohin ihr tretet bzw. greift. Generell gilt, je weniger Menschen einen Canyon besuchen, um so höher ist die Wahrscheinlichkeit, auf solche Tiere zu treffen. Lasst Euch davon aber nicht abschrecken. Denn normalerweise hören sie Euch schon von weitem und verkriechen sich dann von selbst. Könnt Ihr bestimmte Bereiche nicht direkt einsehen, dann werft zuerst eine Handvoll Sand hinein, oder tastet mit dem Stativ oder einem Stock voran, bevor Ihr weitergeht.







