White Rocks
Hoch über dem Tal: The Castle
White Valley - GSENM
Hoodoo im White Valley

Vom Chimney Rock Canyon und dem Coyote Creek Wash, beide innerhalb der White Rocks gelegen, hatten wir uns doch erheblich mehr versprochen. Es sind zwar recht nette Locations, aber höchstens partiell interessant. Zweckmäßigerweise erkundet man sie mit einem 4WD und steigt nur mal eben für ein Foto aus. So waren wir doch relativ schnell "durch". Jetzt wollten wir uns noch einen Überblick über das Gebiet verschaffen. Dazu suchten wir uns einen leichten Aufstieg ganz am Anfang des ersten Seitentales, in der Nähe der Hoodoos aus. Auf halber Höhe zum Gipfel befindet sich übrigens The Fox, mein ganz spezieller Liebling...

White Valley

Von dort oben sah das Gebiet schon deutlich viel versprechender aus. Dabei weckte ein weiteres Tal etwa in nordöstlicher Richtung unser Interesse. Wir konnten schon von hier die Spitze eines mächtigen Hoodoos erkennen. Das Valley war höchstens einen Kilometer entfernt und so entschlossen wir uns kurzerhand, ihm einen Besuch abzustatten. Nach ungefähr 10 Minuten waren wir am Ziel und konnten von oben hineinschauen. Ein umwerfender Anblick, kein Vergleich mit dem vorderen Teil der White Rocks! Das Innere des Valleys war fast schneeweiß, nur ab und zu durchzogen von einer grünlichgrauen Schicht. Es besteht aus dem gleichen Material wie die Wahweap Hoodoos einer Art gepresstem Schlamm, der sich bei Einwirkung von Wasser auflöst. Auch hier wieder Massen von Hoodoos, die denen aus dem Wahweap Drainage in nichts nachstehen, ganz im Gegenteil! Bestehen die Wahweap Hoodoos nur aus drei kleineren versprengten Gruppen, so findet man hier ein riesiges Tal voll von diesen Dingern! Am Rand, auf der gegenüberliegenden Seite des Valleys steht der Imposanteste von ihnen, der Weiße Riese (GPS: 37°09'22''N, 111°45'11''W). Er ist etwa 12 Meter hoch und bewacht "sein" Tal. Darunter grüngraues Gestein in Säulenform. Mit ein bisschen Fantasie könnte man es für eine Art Castle oder Burg halten. Die Hüte der Hoodoos bestehen hier aus einem eigenartigen braunen Gestein. Man findet es überall in den skurrilsten Formen auch auf dem Boden verstreut. Es erinnert doch irgendwie stark an Fatali's "Back of Beyond". Möglicherweise ist sein Foto ja hier entstanden, wer weiß...

Violette Peaks

Geht man im White Valley in östlicher Richtung weiter, erreicht man die Violette Peaks, siehe Foto. Hier bedeckt das gleiche Material, aus denen die Hoodoos bestehen, nur eben in violetter Farbe, die Kuppen der weißen Hügel. In Verbindung mit dem Sonnenlicht entsteht so ein sagenhafter Kontrast! Das Zeug ist übrigens ziemlich weich und man versinkt beim darüber laufen etwas darin. Bei Nässe kann das Ganze zu einer regelrechten Schlammschlacht werden, dann sollte man es tunlichst vermeiden! In diesem Teil des Valley findet man auch einige recht interessante (weiße!) Slotcanyons, die aber alle samt sehr kurz sind. Einen kleinen Abstecher sollte man schon mal wagen. Vielleicht lohnt sich's ja?

Colored Canyon

Nördlich des White Valley liegt in kurzer Entfernung der Colored Canyon. Die Schichten des Gesteins leuchten hier in den verschiedensten Farben. Auch hier wieder Hoodoos, nur eben nicht schneeweiß sondern diesmal "quergestreift". Der größte von ihnen ist sicherlich der Big Camel Hoodoo. Er sieht aus, wie ein riesiges Kamel, daher der Name. Der Hoodoo steht mitten im Canyon und ist deshalb erst aus geringer Entfernung sichtbar. Dahinter ein weiterer, sieht aus wie ein kleiner dicker Steinpilz, der direkt aus der Canyonwand "wächst". Mein persönliches Highlight ist aber eine Gesteinsgruppe die sich etwas weiter westlich (GPS: 37°09'23''N, 111°44'57''W) befindet. Sie besteht aus vier wirklich einzigartigen und merkwürdigen "Gestalten", siehe letztes Foto. Im Hintergrund erkennt man übrigens den Chimney Rock. Er ist eine gute Orientierungshilfe, wenn es um den Rückweg geht...

White Valley - GSENM
Violette Peaks
Hoodoo - White Rocks
Der Weiße Riese

Im Inneren des Canyons kann man sicherlich einige Stunden auf Entdeckungstour gehen, Motive gibt es hier zu Hauf. Aber bitte vorsichtig, denn für dieses Gebiet gilt das Gleiche, wie für die Wahweap Hoodoos, das Material ist äußerst empfindlich! Wer aber der Meinung ist, mit seinem Besuch selbst bei den kleinen Gruppen der Wahweap Hoodoos schon einigen Schaden anzurichten, sollte es sich verkneifen hierher zu kommen. Schließlich ist hier ein ganzes Tal in Gefahr!

Anfahrt und Trail

Ich beschreibe hier nur eine, der zwei möglichen Routen und zwar die südliche über die White Rocks. Es gibt auch eine nördliche Alternative. Die dazugehörige Wegbeschreibung (Variante 1) findet Ihr im Beitrag über den Sidestep Canyon. Der dort erwähnte Parkplatz hinter dem Zaun ist nur wenige hundert Meter vom Colored Canyon entfernt und eignet sich damit hervorragend um auch dieses Gebiet hier zu erkunden.

White Valley - GSENM
Big Camel Hoodoo
Chimney Rock - White Valley
Im Hintergrund: Chimney Rock

Bei trockenen Bedingungen ist die Anfahrt über die White Rocks praktisch mit jedem normalen PKW machbar. Bei Nässe sollte man auf eine Fahrt in den Chimney Rock Canyon verzichten, selbst mit einem 4WD! Bei den letzten Meilen des Weges handelt es sich um eine tückische Clay Road. Dieser Lehm verwandelt sich bei Nässe in eine regelrechte Rutschbahn und setzt das Profil der Reifen binnen kürzester Zeit komplett zu! Das Fahrzeug wird sofort unlenkbar! Meist geht es nur schlitternd voran, wobei man die Richtung praktisch nicht mehr beeinflussen kann. Wer Pech hat, rutscht vom Weg oder bleibt im tiefen Morast stecken. Bei diesen Bedingungen solltet Ihr den Wagen rechtzeitig abstellen und nach hinten laufen. Warnen möchte ich vor allem die 4WD Neulinge, die vielleicht denken, dass ihnen mit diesem Fahrzeugtyp nichts passieren kann. Wem ist nicht so! Also seid bitte nicht leichtsinnig, denn das kann im Extremfall richtig teuer werden!

Aus Richtung Page kommend, zweigt kurz vor dem kleinen Ort Churchwells eine Dirt Road vom Highway 89 in nördliche Richtung (nach rechts) ab. Diese befindet sich etwa 100-200 Meter vor Milepost 13. Bei dieser Gelegenheit möchte ich noch bemerken, dass sich die örtlichen Behörden über die Schreibweise des Ortes wohl nicht so recht einigen konnten. Jedenfalls liest man auf dem Ortsschild aus Richtung Kanab Churchwells, aus Richtung Page dagegen Church Wells. Das nur als kleine Notiz am Rande...
Auf dieser Dirt Road fährt man knapp vier Meilen, bis man vor einem Viehzaun mit dazugehörigem Tor steht. Der Weg führt in einem kleinen Bogen direkt darauf zu. Falls Ihr vorher schon einmal rechts abgebogen und durch ein Tor gefahren seid, seid Ihr falsch! Nach etwa 3.3 Meilen sieht man linker Hand ein Schild, welches auf das Ende dieser Dirt Road (BLM 435) hinweist. Lasst Euch davon nicht beeindrucken, Ihr könnt definitiv weiter fahren. Die vielen Reifenspuren beweisen das. Nach Durchquerung des Tores gelangt man in ein relativ breites Tal. Nur wenig später passiert Ihr dann einen alten, bereits mächtig verfallenen, Zaun. Kurz danach biegt Ihr rechts in das nächste Seitental, den Chimney Rock Canyon, ab. Dazu folgt man einfach den Reifenspuren, die hier in einem großen Bogen von der Piste abzweigen. Nach vielleicht 200 Metern Fahrt in diesem Tal, führt ein kleiner unscheinbarer Weg nach rechts, auf den man jetzt einbiegt. Schon von weitem sind die vielen Hoodoos erkennbar, die sich hier an und auf der Felswand befinden. Dieser Weg endet bereits nach etwa 100 Metern. Hier stellt Ihr das Auto ab (GPS: 37°09'14''N, 111°45'43''W). Nur wenige Meter von dort entfernt, etwas weiter östlich, beginnt ein schmaler Pfad, der sich den Berg hinauf schlängelt. Die durch den tiefen Sand hervorgerufenen Spuren, machen ihn schon von weitem sichtbar. Hier wandert Ihr nach oben, bis zu dem "V-förmigen" Einschnitt im Fels. Haltet Euch dabei immer etwas links, so kommt Ihr ohne Probleme hin. Nach dessen Durchquerung verläuft die restliche Strecke (etwa 600 Meter Luftlinie) ausschließlich durch tiefen Sand, in nordöstliche Richtung. Zu allem Überfluss ist das Gelände noch extrem wellig. Um Kraft zu sparen, solltet Ihr die vielen Hügel bzw. Sanddünen möglichst weiträumig umgehen. Am besten, etwas weiter links, in der Nähe der Canyonkante.

Damit die Tour nicht zur Tortur wird, sollte man sie nicht in die Zeit zwischen Mai und September legen. In dieser Periode ist es hier meist derart heiß, dass man selbst mit bester Kondition nicht sehr weit käme. Erschwerend kommt hinzu, dass man praktisch die ganze Strecke in praller Sonne läuft. Wer aber auf diesen Zeitraum angewiesen ist, sollte wenigstens darauf achten, so früh wie möglich zu starten. Am besten kurz nach Sonnenaufgang.

Fazit

Mir ist diese Gegend so richtig ans Herz gewachsen. Wann immer ich in ihrer Nähe bin, versuche ich wenigstens einmal hierher zu kommen. Für mich ist diese Region wesentlich attraktiver, abwechslungsreicher und vor allem leichter zu erreichen, als die Wahweap Hoodoos, von der Dichte der außergewöhnlichen Gebilde mal ganz abgesehen. Wer auf die Dinger steht, findet hier mit Sicherheit sein El Dorado!