Bereits seit Jahren sind beide Teile des Antelope Canyon das Synonym und die Verkörperung des Begriffs Slot Canyon schlechthin. Und das absolut zu Recht! Kein anderer mir bekannter Slot kann sich mit ihm messen und wenn, dann höchstens nur partiell. Hier dagegen erlebt man ein Feuerwerk der Farben, das seinesgleichen sucht. Verantwortlich dafür ist die Sonne, die ihre Strahlen über schmale Öffnungen von oben in den Canyon sendet. Wasser und Wind haben über Jahrtausende diese Einschnitte geformt und dabei feine Strukturen im Gestein hinterlassen. Denn erst das Zusammenspiel von Licht und Felsstruktur, macht die Einzigartigkeit dieses Canyons aus. Und so erstrahlt der rotbraune Sandstein besonders um die Mittagszeit in den herrlichsten Pastelltönen. Der Canyon beginnt dann regelrecht zu glühen. Aufgrund ständig wechselnder Lichtverhältnisse im Inneren, entstehen immer wieder neue Motive. Seine Attraktivität hat sich bis in die letzten Winkel herum gesprochen und so sind beide Teile heute recht stark frequentiert. Speziell in den Sommermonaten stehen die Stative hier dicht gedrängt. Diese Leute würden fast alles bezahlen, nur um dort zu fotografieren. Und so erhöhen die beiden Navajo Familien Begay und Young, in dessen Besitz sich dieser Canyon befindet, (fast) jährlich die Preise. Der Upper Antelope Canyon kostet derzeit 26 Dollar, der Lower Antelope Canyon ist dagegen schon für $21 zu "haben" (Stand: Frühjahr 2007). Von dieser Summe kommen jeweils 6 Dollar der Navajo Nation zugute, den Rest kassieren die Eigentümer. Man kann nur hoffen, dass diese Entwicklung nicht weiter anhält!

Als Antelope Canyon bezeichnet man die letzten Meilen des Antelope Creek, bevor er den Lake Powell erreicht. Wobei große Bereiche zwischen dem Upper und dem Lower recht wenig mit einem Canyon zu tun haben. Es fällt daher schwer zu glauben, dass die beiden Teile zusammen gehören sollen. Seinen Namen verdankt er übrigens den Gabelantilopen, die früher in diesem Gebiet lebten.

Lower Antelope Canyon
Slot Canyon Impressionen
Arch im Antelope Canyon

Upper Antelope Canyon

Der Upper Antelope, oder auch Corkscrew Canyon (Korkenzieher Canyon) genannt, ist der Bekanntere von beiden. Sein indianischer Name lautet Tse bighnilini, was soviel wie "Der Platz, wo das Wasser durch die Felsen fließt" heißt. Aufgrund seines Bekanntheitsgrades trifft man auch deutlich mehr Besucher an, als im unteren Teil. Der begehbare Bereich ist knapp 400 Meter lang und relativ breit. Und im Gegensatz zum Lower Antelope Canyon muss man sich weder durch enge Felsspalten zwängen, noch über Treppen hinab steigen. Man läuft die ganze Zeit über bequem zu ebener Erde. Berühmt ist dieser Teil vor allem wegen seiner spektakulären Lichtsäulen, auch beams genannt. Wer dieses Schauspiel einmal miterleben möchte, sollte zwischen 11 und 13 Uhr im Canyon sein, denn nur dann erreichen sie auch den Boden. Und während im Frühjahr nur etwa eine Handvoll beams zu sehen sind, so sind es im Sommer bis zu 30 verschiedene. Flash floods (Springfluten) spülen große Mengen Sand in bzw. aus dem Canyon. Wer vor 2005 hier war, wird sich sicher wundern. Denn bei einer der letzten großen Fluten wurde soviel Sand in den Canyon gespült, dass sein Grund heute (Stand April 2007) um mehr als einen Meter höher liegt als vorher. Auf dem Faltblatt, das jeder Besucher am Eingang erhält, ist ein älteres Foto zu sehen, welches Michael Fatali vor einer leuchtenden Felswand zeigt. Heute aufgenommen, würde nur ein kleiner Teil von ihm aus dem Sand ragen...

Der Canyon befindet sich in Privatbesitz einer Navajo Familie, die dessen Vermarktung perfekt organisiert hat. Nachdem man das Auto geparkt und seinen Obolus entrichtet hat, wird man mit großen, offenen Jeeps zum Eingang gebracht. Der Weg führt etwa 3 Meilen durch das sandige Bett des Antelope Creek, vorbei am Rattlesnake Canyon und 2 weiteren unbenannten Seitenarmen. Dort angekommen, wird man zuerst mit einer kleinen Geschichte "beglückt", bevor man endlich hinein darf. Bereits kurz hinter dessen Eingang befindet sich das erste Highlight. Hier entsteht um die Mittagszeit der schönste beam im gesamten Antelope Canyon. Wer dann einen Platz für sein Stativ ergattert, kann sich glücklich schätzen. Denn nicht selten tummelt sich dort das Gros der Fotografen mit der Hoffnung auf den ultimativen Shot. Damit sich die Strahlen auch richtig abheben, wirft man Sand in den Lichtkegel der Sonne. Jetzt muss man nur noch abdrücken und beten, dass kein Besucher durchs Bild läuft. Stativ und Fernauslöser sind hier unverzichtbar. Wer nur mit dem internen 10 Sekunden Timer der Kamera arbeitet, wird kaum Freude haben. Denn solange ist dieser Spot praktisch nie menschenfrei. Die fotografische Grundregel hier drin aber lautet, nie Bereiche mit direkter Sonneneinstrahlung abzulichten. Denn dieser enorme Kontrastumfang lässt sich nicht abbilden. Je nachdem auf welchen Punkt oder Bereich man belichtet, erscheinen dann helle Stellen weiß oder die dunklen schwarz.
Nur wenige Meter hinter diesem Spot (in Richtung des Eingangs blickend), erkennt man die Silhouette eines riesigen Bären, der am frühen Nachmittag (ca. 14 Uhr) in den schönsten Pastelltönen erstrahlt. Leider ist die Zeitbegrenzung von nur 1 Stunde viel zu kurz und für jeden richtigen Fotofreak nicht ausreichend. Wer länger bleiben möchte, bucht am besten gleich die so genannte photographers tour für 40 Dollar. Bei dieser kann man 2 Stunden im Canyon verbringen. Ein Guide führt Euch zu allen beams und das right in time. Außerdem blockt er die Spots, so dass Ihr sie in aller Regel menschenfrei fotografieren könnt. Wie gut das aber im Sommer klappt, wenn bis zu 1.000 (!) Leute an einem Tag im Canyon sind, weiß ich nicht.

Eingangsbereich des unteren Antelope Canyon
Tiersilhouette
Beam im Upper Antelope

Lower Antelope Canyon

Während man im oberen Teil durch einen breiten Eingang in den Canyon schreitet, steigt man hier in eine schmale Felsspalte hinab. Unten herrschen selbst im Hochsommer angenehme klimatische Bedingungen, die den Aufenthalt dort sehr erträglich machen. Und wie der Upper Antelope, hat auch dieser Teil einen indianischen Namen. Man nennt ihn Hasdestwazi, was soviel wie "Spiral Felsen Bögen" bedeutet. Die Durchquerung gestaltet sich hier um einiges schwieriger, aber auch interessanter als im Upper Antelope Canyon. Man muss sich durch enge Felsspalten zwängen und über schmale Treppen nach unten steigen. Im Inneren warten unzählige Motive auf ihre Ablichtung, u.a. ein sehr schöner Felsbogen und diverse Tiersilhouetten. Auf die Beschreibung jedes einzelnen Spots möchte ich verzichten. Etwas Kreativität und Fantasie vorausgesetzt, findet man unendlich viele verschiedene und farbige Motive.

Leider hat dieser Teil des Canyons auch eine traurige Berühmtheit erlangt. Denn 1997 starben hier 11 junge Leute, die durch die Flut überrascht wurden. Nach intensiven Regenfällen hatte sich ganz in der Nähe ein kleiner See gebildet. Als immer mehr Wasser nachfloss, brach eine natürliche Barriere. Darauf hin fegte eine gewaltige Flutwelle durch den Canyon, die alles mitriss. Die Leute im Inneren hatten keine Chance. Sie wurden einfach fortgespült. Bis heute konnten 2 dieser Leichen nicht geborgen werden. Ein Denkmal am Eingang des Canyons erinnert an dieses tragische Ereignis. In der Zwischenzeit wurde aber einiges für die Sicherheit der Touristen getan, so dass sich so etwas hoffentlich nicht wiederholt.

Beams wie im Upper Antelope Canyon gibt es hier auch, aber meist nicht ganz so spektakulär. Mit einer Ausnahme! Etwa in der Mitte des Slots gibt es hoch oben einen kleinen Arch, durch den um die Mittagszeit ein Bündel Lichtstrahlen auf den Boden fällt. Die Navajos nennen ihn Guardian Angel. Fatali hat diesen Spot meisterhaft in Szene gesetzt und mit einem treffenden Namen versehen. Wir haben hier lange experimentiert, sind mit dem Ergebnis aber nicht so recht zufrieden. Es ist extrem schwierig die richtige Menge Sand gezielt zu werfen und dabei abzulichten. Es könnte also durchaus sein, dass wir nochmal wiederkommen müssen...

Während man den Upper Antelope aufgrund seiner vielen beams am besten um die Mittagszeit besucht, ist hier der Vormittag (ca. 9.00-11.00 Uhr) und frühe Nachmittag (13.00-15.00 Uhr) optimal. Und da die offizielle Zeitbeschränkung hier 4 Stunden beträgt, kann man das Fotografieren auch wesentlich gelassener angehen. Wir waren sogar ganze 6 (!) Stunden drin, ohne dass sich daran jemanden gestört hätte. Es soll sogar Leute geben, die 8 Stunden im Canyon verbringen...

Upper Antelope Canyon
Antelope Canyon

Ganz am Ende des begehbaren Bereichs führt eine Treppe nach oben, über den man den Canyon auch verlassen kann. Oben schlängelt sich der Weg an der Canyonkante entlang und führt wieder zurück zum Parkplatz. Hier stehen einige Metallkisten mit Rettungsgerät. In Gefahrensituation sollen Leitern und Seile hinab gelassen werden, um die Touristen so schnell nach oben zu holen. Diesen (langweiligen) Weg würde ich aber nicht zurückgehen. Denn aufgrund veränderter Lichtverhältnisse im Inneren ergeben sich immer wieder völlig neue Fotomotive. Bei unserem letzten Besuch im März 2007 war dieser Ausgang außerdem gesperrt. Durch schwere Regenfälle war der hintere Bereich total "abgesoffen". Die Eigentümer versuchten hier mit primitivsten Mitteln das Wasser aus dem Canyon zu bekommen.

Anfahrt

Man verlässt Page über die SR98 (State Route) in Richtung Kayenta. Wenige Meilen hinter der Stadt befindet sich auf der rechten Seite, etwa bei Milepost 299, der Parkplatz zum Upper Antelope Canyon. Von dort werdet Ihr mit einem Jeep zum eigentlichen Canyon gefahren. Unmittelbar vor diesem Parkplatz befindet sich ein Hinweisschild. Ihr könnt ihn also überhaupt nicht verpassen.

Der Abzweig zum Lower Antelope Canyon befindet sich etwa 0.5 Meilen weiter, auf der linken Seite, kurz vor dem Kraftwerk der Navajos. Von dort sind es nur noch wenige hundert Meter bis zum Parkplatz. Das Kassenhäuschen der Eigentümer ist schon von weitem sichtbar.

Fazit

Welcher Canyonteil der schönere ist, hängt ausschließlich vom persönlichen Geschmack ab. Denn empfehlenswert sind beide! Aufgrund des Preises, sollten die Bedingungen natürlich perfekt sein. Und die herrschen nur an sonnigen Tagen, etwa zwischen 9 und 15 Uhr. Isa und ich, wir bevorzugen beide den Lower Antelope Canyon. Da es keine Zeitbeschränkung gibt, kann man sich hier noch so richtig fotografisch "austoben". Außerdem ist dieser Teil weniger stark frequentiert. Speziell am Nachmittag hat man diesen Canyon meist für sich allein. Die beams sind zwar nicht ganz so schön wie im Upper Antelope Canyon, dafür wird man mit unzähligen Details und extrem farbigen Sandstein entschädigt. Beide Canyonteile lassen sich auch an einem Tag besuchen: morgens den unteren und zur Mittagszeit den oberen. Wer das tun möchte, spart 6 Dollar. Denn der Anteil für die Navajo Nation wird nur einmal erhoben. In den Wintermonaten können beide Teile aufgrund von Besuchermangel oder schlechtem Wetter geschlossen sein. Wer in dieser Zeit unterwegs ist, sollte sich vorher in Page erkundigen. Von dort starten auch organisierte Touren. Davon würde ich aber die Finger lassen. Denn bei diesen Trips wird nichts geboten, was den höheren Preis rechtfertigt.

Weiterführende Links zum Thema "Antelope Canyon":

• Navajo Parks & Recreation Department: http://www.navajonationparks.org/htm/antelopecanyon.htm
• Wikipedia: http://en.wikipedia.org/wiki/Antelope_Canyon
• Geführte Fototouren (Dalvin Etsitty): http://www.navajotours.com/
• und last but not least: meine Antelope Canyon Galerie

Update: April 2007

Nach fast 4-jähriger Abstinenz vom Antelope Canyon haben wir beiden Teilen einen erneuten Besuch abgestattet und dabei einige interessante Neuigkeiten erfahren. Die erste betrifft den Water Holes Canyon. Bis heute kann man immer wieder lesen, dass ein Permit für den Upper Antelope völlig ausreichend sei, um auch den Water Holes Canyon zu besuchen. Das ist definitiv falsch! Benötigt wird dafür nämlich ein Backcountry Permit, welches für 5 Dollar pro Person an der Entrance Station des Upper Antelope Canyon oder im LeChee Tribal Office erhältlich ist. Wer in den Waterholes Canyon möchte, sollte das nur mit Permit tun. Denn mittlerweile steht ein großes unübersehbares Schild mit der Aufschrift "No Trespassing" und "Permit required" am Durchgang im Zaun. Wer sein Auto hier ohne gültiges Permit abstellt, riskiert abgeschleppt zu werden. Die Eigentümer schauen wohl ab und an mal vorbei und rufen sofort die Cops, wenn dort jemand ohne Berechtigung parkt.

Rattlesnake Canyon

Neuerdings entdecken immer mehr Einheimische das lukrative Slot Canyon Geschäft. Einiges davon riecht verdammt nach Abzocke oder ist einfach gnadenlos überteuert. Da wird eine einfache Felsspalte mal eben schnell zum Slot deklariert, oder ein eher mittelmäßiger Canyon mit einem fantasievollen Namen versehen für dessen Besuch dann Unsummen verlangt werden. Es gibt aber auch seriöse Angebote. Interessant sein könnte eine Tagestour zu 5 Seitenarmen des Antelope Creek, die von den Eigentümern des Upper Antelope Canyon für 150 Dollar angeboten wird. Wer sich dafür interessiert, erfragt die Details am besten bei den Guides am Parkplatz. Einer dieser Seitenarme ist der Rattlesnake Canyon, den man auch separat buchen kann (1 Stunde kostet 20 Dollar, 2 Stunden 35). Dieser Slot befindet sich eine knappe Meile vor dem Upper. Hingebracht und wieder aufgesammelt wird man von den Jeeps, die hier regelmäßig zwischen Parkplatz und dem Upper Antelope Canyon verkehren. Seinen Namen verdankt er den Klapperschlangen, die sich dort "tummeln" sollen. Wir waren 1 Stunde drin, haben aber keine gesehen. Im Inneren gibt es auch 2 Arche, von denen der vordere stark dem Durchgang im Lower Canyon X ähnelt. Der begehbare Bereich endet nach vielleicht 100 Metern an einem schön geformten Arch, der sich am besten von hinten ablichten lässt. Seine Silhouette ähnelt dem Umriss von Afrika. Das Innere des Rattlesnake Canyon wirkt wie eine Mischung aus Upper und Lower. Allerdings sind seine Wände nicht ganz so hoch, haben dafür aber recht fotogene Zebrastreifen. Mit Ausnahme der Leiter am Eingang und einiger kleinerer Felsstufen, geht es hier ziemlich eben voran. Die besten Bedingungen zum Fotografieren herrschen je nach Jahreszeit so zwischen 13 und 15 Uhr. Wir waren etwas zu früh drin, wollten allerdings nicht verlängern, da die Wetterbedingungen an diesem Tag nicht besonders optimal waren (siehe Foto).

Wer beide Teile des Antelope Canyon bereits kennt und sich von seinem marktschreierischen Namen nicht abschrecken lässt, sollte sich den Rattlesnake Canyon unbedingt mal genauer anschauen. Fotografisches Potential ist auf jeden Fall vorhanden. Außerdem ist man da drinnen vollkommen allein und wird kaum gestört. Mit Ausnahme von ein paar Schlangen vielleicht...