Headline Bisti Badlands
Hoodoos, Bisti Wilderness
Stone Wings
Hunter Wash
Farbige Badlands
Mushroom Hoodoo
Der "gemeine" Steinpilz

Allgemeines

Das Wort Bisti (eigentlich Bis-ta-hie) entstammt der Sprache der Navajo Indianer und bedeutet so viel wie Schlechtes Land (engl. Badlands). Und tatsächlich, bei erster Betrachtung könnte man wirklich zu diesem Schluss kommen. Die Landschaft ist karg, geprägt von unzähligen farbigen Lehmhügeln und fast komplett vegetationslos. Abgesehen von einigen wenigen Gräsern und Büscheln wächst hier rein gar nichts. Zu keiner mir bekannten Gegend passt der Ausdruck Mondlandschaft besser, als zu den Bisti Badlands. Überall findet man die merkwürdigsten Gebilde aus Stein und Lehm, nirgends mehr Hoodoos als hier. Unwillkürlich fühlt man sich in die Urzeit der Erde zurückversetzt, als noch die Dinosaurier unseren Planeten bevölkerten. Fossilien aller Art sind hier zu sehen, hauptsächlich jedoch versteinertes Holz. Mit etwas Glück, findet man sogar versteinerte Knochen. Beim Wandern durch die Bisti's, wird einem schnell die Einzigartigkeit dieser Landschaft bewusst. Durch die absolute Stille und Abgeschiedenheit, wird dieser Eindruck auch noch verstärkt. Selbst wenn ein oder zwei Autos am Trailhead stehen, so wird man hier draußen praktisch niemanden treffen. Das Gebiet ist einfach zu groß und durch die vielen Hügelketten relativ unübersichtlich. Die ganze Gegend ist reich an Bodenschätzen, vor allem aber an fossilen Brennstoffen. Die Kohle liegt hier oftmals direkt an der Oberfläche. An vielen Stellen ziehen sich teils meterdicke schwarze Schichten durch die farbigen Badlands. Zum Glück steht wenigstens ein Teil dieser Region (etwa 18.000 ha) als Bisti/De-Na-Zin Wilderness unter Schutz, so dass eine kommerzielle Nutzung jetzt ausdrücklich verboten ist. Und da (derzeit) nur wenige Leute den Weg in diese Region finden, muss der Besucherstrom auch nicht über Permits reguliert werden.

Bevor ich den allgemeinen Teil beende und mich den eigentlichen Touren widme, noch schnell ein paar Worte bzgl. der Aussprache des Begriffs Bisti Wilderness. Sprachgenies werden's wahrscheinlich wissen, mir war's neu: Das englische Wort Wilderness wird im Gegensatz zum Adjektiv wild, nicht Weilderness, sondern Wilderness ausgesprochen. Bei Bisti scheiden sich die Geister: Bisti oder Bistei, obwohl es auf der offiziellen BLM Seite ganz klar Bistei heißt. Wer sicher gehen will, spricht es indianisch (siehe oben) aus und liegt damit wahrscheinlich richtig.

Anfahrt und Trail(s)

Farmington im äußersten Nordwesten von New Mexico, ist der ideale Ausgangspunkt für die Erkundung der Bisti's. Zum einen ist dieser Ort nur knappe 35 Meilen entfernt, zum anderen verfügt er über eine große Anzahl von preiswerten Motels und Fastfood Restaurants. Selbst ein Golden Corral mit seinem unschlagbaren All-you-can-eat Buffet findet man dort. Wer vom Süden in die Bisti Badlands will, hat's erheblich weiter. Hier bieten sich vor allem Gallup oder Grants als Ausgangspunkte an. Natürlich kann man vor Ort auch campen. So erspart man sich den morgentlichen Stress und die lästige Fahrerei.

Die Südtour

Von Farmington kommend folgt man dem Highway 371 (Vietnam Veterans Memorial Highway) nach Süden. Ab Überquerung des San Juan Rivers sind es noch etwa 34 Meilen, bis zur Country Road (CR) 7297, die hier nach Osten (links) abzweigt. Aufgrund des Hinweisschildes Bisti Wilderness Area ist dieser Abzweig kaum zu verfehlen. Die kommenden 3.5 Meilen bis zum Parkplatz verlaufen nun über so genannte Gravel Roads (unbefestigte Straßen) die unter normalen (!) Umständen auch von einfachen PKWs oder Wohnmobilen befahren werden können. Wer kein SUV gemietet hat, erkundigt sich besser vor Tourantritt beim zuständigen BLM in Farmington über deren Zustand. Denn nach längeren Regenfällen weicht der teils lehmige Untergrund auf und verwandelt diese Pisten in regelrechte Rutschbahnen.
Bereits unmittelbar hinter dem Parkplatz beginnt die Wilderness Area. Hier wurde das ganze Gebiet großflächig eingezäunt. Der Trailhead mit seinem Register ist nur wenige Schritte entfernt. Es empfiehlt sich nun dem breiten Gateway - bzw. Alamo Wash in östlicher Richtung zu folgen. Schon nach wenigen Minuten erblickt man zwei große schwarze Hügel am Horizont. Dahinter befindet sich das Highlight der Region: die Cracked Eggs oder auch Egg Factory. Bezüglich des Namens muss ich sicher nicht viel sagen, die Bilder sprechen (hoffentlich?) für sich. Auch wenn Isa in ihrem Bericht da etwas anderer Meinung ist und von Bienen und Meerestieren träumt...

Bisti Wilderness, Alamo Wash
Egg Factory
Die Cracked Eggs zu Sunset
Cracked Eggs, Bisti Badlands

Der breite Gateway Wash ist nur mäßig interessant. Viel besser ist es, in der Nähe der Hügelketten bzw. auf ihnen zu wandern. Vorzugsweise am Südrand des Washes. Hier findet man immer wieder größere Ansammlungen von Hoodoos. Einige dieser Gruppen liegen wie kleine Inseln verstreut im Wash. Wieder andere bilden richtige Oasen, idyllisch eingerahmt in farbige Badlands. Nur wenige Gehminuten vom Auto entfernt, befinden sich die vielleicht schönsten Hoodoos der Region. Denn die haben im Gegensatz zu den meisten anderen hier fotogene braune Streifen um ihre "Taille". Wer sie sehen möchte, geht in das erste Seitental am unteren Ende des Wash (siehe Map). Wenige hundert Meter hinter den beiden schwarzen Hügeln befinden sich die Cracked Eggs. Wer relativ zügig und auf dem kürzesten Weg hierher wandert, ist etwa 40 Minuten unterwegs. Die optimalen Fotos entstehen dort kurz vor Sunset und nach (!) Sonnenuntergang. Die grandiosen Lichtbedingungen stellen sich erst mit den letzten Strahlen der untergehenden Sonne ein. Die meiste Zeit sind die Schatten viel zu hart. Riesige versteinerte Baumstämme liegen nur wenige hundert Meter östlich von hier in einem Seitental. Allerdings ist das Holz nicht so spektakulär gefärbt wie im Petrified Forest National Park. Wer sich für diese Art von Fossilien interessiert, sollte unbedingt mal bei Ah-shi-sle-pah vorbei schauen. Denn die Region liegt nur wenige Meilen entfernt und bietet noch weitaus schönere Exemplare.
Fünfzehn Minuten später erreicht man Eagles Nest, ein Adlernest hoch oben auf einem markanten Fels. Kurz darauf enden die vielen Hoodooformationen. Bis zum Horizont erstrecken sich nun endlos lange Badlands-Hügelketten. Hier würde ich umkehren und am Nordrand des Washes zurück zum Auto wandern. In dieser Region der Bisti Badlands gibt es viele rotbraune Hügelketten. Beim genaueren Hinsehen bemerkt man, dass nicht der Lehm für die Färbung verantwortlich ist, sondern die vielen kleinen Steine mit denen die Badlands übersäht sind. Diese Steine sind das Resultat von unterirdischen Feuern, dessen Hitze den Lehm zusammen backen ließ, ihn dabei aushärtete und seine Farbe verlieh.

Hoodoos, Northern Bisti Badlands
Hoodoos im Hunter Wash

Die Nordtour

Um die nördliche Region der Bisti Wilderness Area zu erforschen, empfiehlt sich ein anderer Ausgangspunkt. Die Zufahrt erfolgt über die Country Road 7290, die etwa 28 Meilen südlich von Farmington links (südöstlich) vom Hwy 371 abzweigt. Ein Historical Marker auf der rechten Seite des Highways erleichtert hier die Orientierung. Bei der abbiegenden Country Road handelt es sich auch um eine unbefestigte Straße. Bezüglich ihrer Befahrbarkeit gilt das gleiche wie bei der oben beschriebenen Tour. Vor einigen Jahren führte diese Gravel Road noch hinunter bis zum Parkplatz der Südtour. Jetzt kreuzt sie auf halbem Wege ein Zaun, an dem steht: "Street Closed". Da der offizielle Trailhead weiter südlich nicht mehr über diese Verbindung erreicht werden kann, hat das BLM bereits am Anfang der Straße ein Schild mit der Aufschrift "No Access to Bisti Wilderness" angebracht. Für die hier beschriebene Nordtour ist das aber irrelevant, denn man verlässt die CR 7290 bereits nach 4 Meilen und folgt den vielen Reifenspuren nach Osten in Richtung der Umzäunung der Wilderness Area. Das Auto parkt man unmittelbar vor einem Wash (engl. für Flussbett) direkt am Zaun. Hier kann man auch ganz leicht hindurch klettern und dem breiten Hunter Wash nach Osten folgen. Für dieses Tal gilt im Übrigen das gleiche wie für den Gateway Wash: es ist nur mäßig interessant. Man hält sich besser etwas rechts und steuert auf die äußeren Hügel der Badlands zu. Gleich auf einem der ersten steht ein imposanter "Kerl" (siehe Foto rechts oben). Das ist aber erst der Auftakt. Denn speziell in dieser Region der Bisti Wilderness gibt es unendlich viele filigrane Gebilde aus Stein und Lehm. Aber nicht nur unten in den Tälern, sondern selbst oben auf den Hügelkuppen. Das strahlende Weiß dieser Steine ergibt einen herrlichen Kontrast zu den farbigen Badlands. Einige der Gebilde sehen aus wie Vogelschnäbel, andere wie Surfbretter oder Pilze. Selbst der ein oder andere Sattel ist darunter. Vom vielleicht schönsten Sattel stehen leider nur noch Fragmente. Das Motiv ziert u.a. das Front Cover des Buches New Mexico von Tanya Lloyd. Nach dieser Formation habe ich ziemlich lange gesucht, aber erst zu Hause beim Durchsehen meiner Fotos bemerkt, dass ich sie längst gefunden hatte. Von dieser großartigen Location existiert heute nur noch der Unterbau. Vom Sattel selbst ist nichts mehr zu sehen. Ob der Einsturz rein natürliche Ursachen hatte, oder ob jemand nachgeholfen hat, lässt sich an Hand der Fotos nicht feststellen.

Übrigens lassen sich die Süd- und Nordtour recht gut kombinieren, da sowohl der Hunter -, als auch der Gateway Wash etwa in gleicher Richtung verlaufen. Für den Rundtrip benötigt man aber mindestens 4 Stunden, natürlich abhängig, wie weit man dem jeweiligen Wash folgt. Zur besseren Übersicht habe ich eine Map erstellt, die alle hier vorgestellten Touren, sowie die GPS Koordinaten einiger Landmarks enthält, u.a. die der Cracked Eggs und der Stone Wings.

Sandstone Turtle, Western Bisti Area
Eine fliegende Schildkröte
Northern New Mexico
Ein Stiefel, oder nur 'ne Stiefelette?

Eine "Bonustour"

Wer sich an den Bisti Badlands nicht sattsehen kann und nach mehr skurillen Formationen "lechzt", sollte sich unbedingt die Region westlich des Gateway - bzw. Alamo Wash genauer anschauen (siehe Map). Das Auto parkt man wie bei der Südtour beschrieben und geht einfach in die entgegengesetzte Richtung auf die vielen Hoodoos zu. Fünf Minuten später erreicht man ein Plateau mit Unmengen von bizarren Formationen. Viele davon sehen aus wie überdimensionale Schuhe. Von der einfachen Sandale bis hin zum Stiefel ist hier alles vertreten. Frauen werden diese Region sicher ganz besonders lieben (schätze ich mal...). Aber nicht nur Schuhe gibt's da zu bewundern, sondern auch allerlei Getier u.a. fliegende Schildkröten, Schweine und vieles mehr. Dieser Teil ist relativ klein und kompakt, bietet aber unzählige abstrakte Motive und lädt zum ausgiebigen Fotografieren und Erkunden ein. Aufgrund der kurzen Wege ist diese "Bonustour" eine interessante Ergänzung. Wer die Bisti Badlands östlich der Straße bereits gut kennt und noch eine Stunde entbehren kann, sollte sich auch diesen Teil mal genauer anschauen. Vorzugsweise morgens oder abends. Es lohnt sich!

Gateway Arch, Alamo Wash
Arche gibt's hier auch
Badlands, New Mexico
Hoodoo(massen)

Tipps

Ein Besuch der Bisti's lohnt praktisch immer. Mit zwei Ausnahmen allerdings. Der Sommer scheidet aufgrund der unerträglichen Hitze von vornherein aus. Soviel Wasser wie man eigentlich bräuchte, kann man gar nicht tragen! Außerdem gibt es kaum kühlenden Schatten. Für diese Jahreszeit bieten sich höchstens kurze Touren am frühen Morgen an. Ein anderes Problem stellt hier die Nässe dar. Der Boden besteht zum großen Teil aus Lehm, der bei Regen extrem schnell aufweicht und sich in kürzester Zeit in tiefen Morast verwandelt. Bereits nach wenigen Schritten hat man so mehrere Kilo Schlamm an den Schuhen. Das Laufen wird dadurch nicht unbedingt erleichtert. Viele Bereiche sind dann extrem rutschig. Wer nicht aufpasst, landet ganz schnell kopfüber im Dreck. Bei diesen Bedingungen solltet Ihr auf einen Besuch hier verzichten. Wer während der Tour ausschließlich im Wash bleibt, braucht keinerlei Navigationskenntnisse bzw. -hilfsmittel. Allerdings kann man hier schnell den Überblick verlieren, erst recht wenn man euphorisch von Hoodoo zu Hoodoo rennt und nicht auf die Umgebung achtet. Es ist sicher nicht verkehrt hier ein GPS dabei zu haben. So hat man wenigstens die Gewissheit das Auto wiederzufinden. Wer nur mal eben schnell zu den Cracked Eggs will, kann locker darauf verzichten. Denn dafür muss der Wash nicht verlassen werden.

Für die Bisti Badlands sollte man genügend Zeit einplanen. Einen kompletten Tag halte ich für durchaus angemessen. Unter 2-3 Stunden braucht man gar nicht erst anfangen. Wer will darf am Trailhead auch campen. Eine nette Erfahrung, die ich jedem nur empfehlen kann!

Bis heute zählen die Bisti Wilderness für mich zu den schönsten Flecken des amerikanischen Südwestens. Die Landschaft ist einfach atemberaubend, dazu diese göttliche Ruhe und Einsamkeit. Hier draußen scheint die Zeit einfach stillzustehen. Der richtige Ort um seine Probleme zu vergessen und wieder Kraft zu tanken. Eins ist jedenfalls sicher: Ich komme bald wieder!

Noch mehr Fotos in höherer Auflösung findet Ihr in meinem Bisti Badlands Fotoalbum.